Frühstart-Rente: Chancen und Risiken eines Generationenprojekts

Frühstart-Rente: Staatliche Kinderrente - Fakten, Chancen, Kritik

Kurz vor dem geplanten Start der sogenannten Frühstart-Rente zum Jahreswechsel gibt es weiterhin Diskussionen um Nutzen und Schwächen des neuen Vorsorgemodells. Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier und zwei Mitarbeiterinnen haben in einem aktuellen Arbeitspapier die Pläne der Bundesregierung analysiert und dabei sowohl Potenziale als auch erhebliche Risiken herausgestellt.

„Die Frühstart-Rente allein kann die strukturellen Probleme der Altersvorsorge nicht lösen“, heißt es in dem Papier. Sie könne jedoch ein zentraler Baustein sein, um einen nachhaltigen Wandel in der Kapitalmarktkultur Deutschlands einzuleiten.

Was die Regierung plant

Nach den aktuellen Plänen sollen ab 2026 für jedes Kind zwischen sechs und 18 Jahren monatlich zehn Euro vom Staat in ein individuelles, kapitalgedecktes Depot eingezahlt werden. Die Verwaltung der Gelder soll privatwirtschaftlich erfolgen. Der Sparbetrag summiert sich über zwölf Jahre auf 1.440 Euro.

Während das ursprüngliche Konzept der Wirtschaftsweisen vorsah, die Mittel in einem globalen, kostengünstigen Fonds bis zum 18. Lebensjahr anzulegen, geht die Bundesregierung weiter: Das Kapital soll bis zum Renteneintritt gesperrt bleiben. Eine vorzeitige Entnahme, etwa für Ausbildung oder Eigenheim, ist nicht vorgesehen.

Gestaltung entscheidet über Erfolg oder Scheitern

Das Arbeitspapier mahnt: Voraussetzung für einen Erfolg der Frühstart-Rente hänge von entscheidenden Gestaltungsfragen ab. Damit Fehler wie bei der Einführung der Riester-Rente nicht wiederholt würden, seien eine bürokratiearme Umsetzung mit automatischer Teilnahme, eine renditestarke und kostengünstige Produktauswahl sowie ein transparentes Standardprodukt notwendig.

Nahtloser Übergang ins Erwachsenenalter

Entscheidend sei zudem die Anbindung an eine reformierte geförderte private Altersvorsorge. Auf diese Weise solle der Übergang des Vorsorgeprodukts ins Erwachsenenalter nahtlos gestaltet und ein langfristiger Vermögensaufbau gesichert werden. Anderenfalls drohe die Frühstart-Rente, „ihr zentrales Ziel zu verfehlen: breiten Bevölkerungsschichten nicht nur Zugang, sondern auch Vertrauen und Kompetenz für den Kapitalmarkt zu vermitteln“.

Weniger Auswahl, mehr Qualität

Auch die Produktauswahl ist Thema: Da zu viel Auswahl Familien überfordere, solle sie „auf einfache, kostengünstige und renditeträchtige Produkte beschränkt werden“. Wichtiger als der Lerneffekt durch eine große Auswahl sei „ie Erfahrung mit einem guten Kapitalmarktprodukt.

Symbol oder Meilenstein?

Kritiker werfen dem Modell vor, dass die Beiträge von zehn Euro pro Monat zu gering seien, um spürbare Wirkung zu entfalten. Ohne zusätzliche Eigenbeiträge wachse daraus kaum mehr als eine kleine Zusatzrente von 30 bis 50 Euro.

Befürworter dagegen verweisen auf die Signalwirkung: Jeder junge Mensch – unabhängig vom Einkommen der Eltern – erhalte Zugang zum Kapitalmarkt. Damit könne ein Kulturwandel angestoßen werden, ähnlich wie in Schweden, wo eine obligatorische Aktienrente breite Akzeptanz gefunden hat.

Fazit

Ob die Frühstart-Rente ein Symbol bleibt oder zu einem Meilenstein wird, hängt maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung ab. Klar ist: Sie kann nicht die Rentenprobleme Deutschlands lösen. Doch sie könnte der Auftakt sein für eine neue Generation, die früh, konsequent und selbstbewusst am Kapitalmarkt teilnimmt, vorausgesetzt, Politik und Gesetzgeber stellen die richtigen Weichen.