zuletzt aktualisiert 8. Januar 2026
Die Frühstart Rente sollte 2026 kommen – so steht es im Koalitionsvertrag der CDU/SPD-Regierung. Doch nun droht das Projekt zum Prestige-Flop zu werden: Nach aktuellen Informationen könnte sich die Einführung der neuen Kinderrente um mindestens ein Jahr verschieben. Für Banken, Broker und Millionen Eltern heißt das: weiter warten.
(Update 08.01.2026: Die Bundesregierung hat erste Eckpunkte zur Ausgestaltung und Einführung der Frühstart-Rente beschlossen)
(Update 2.10.2025: In der Koalition herrscht weiterhin Uneinigkeit darüber, wie die Frühstart-Rente ausgestaltet werden soll und welche Kinder überhaupt Anspruch haben sollen.)
(Update 15.07.2025: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen versucht aktuell mittels einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung nähere Details zu den Plänen zu erhalten.)

Hoffnungsträger für die Generation Z
Eigentlich klang es nach einem klaren Plan: Ab Januar 2026 sollten alle Kinder durch die Frühstartrente in Deutschland ab sechs Jahren zehn Euro pro Monat vom Staat erhalten – fest angelegt in ein persönliches Vorsorgedepot. Über Jahrzehnte soll dieses Geld an der Börse wachsen, steuerfrei, bis zum Rentenalter. Die Frühstart-Rente gilt als Symbol für den dringend benötigten Wandel hin zu mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge.
Nach mehr als 20 Jahren Riester-Stagnation sehen viele das Projekt als Türöffner, um junge Menschen frühzeitig mit dem Kapitalmarkt vertraut zu machen – und so langfristig die gesetzliche Rente zu entlasten.
Doch jetzt: Verzögerung droht
Wie mehrere Medien, u. a. T-Online und Wirtschaftswoche, ist ein pünktlicher Start zum 1. Januar 2026 kaum noch zu halten. Zwar soll das Rentenpaket mit Frühstart-Rente, Aktivrente und Betriebsrenten-Reform noch im Herbst durchs Kabinett – doch während Aktiv- und Betriebsrente schon festgezurrt sind, hängt die Frühstart-Rente in den Details fest.
Branchenvertreter sprechen offen von „massivem Zeitdruck“. Allein die technische Umsetzung – von der Depot-Eröffnung für Millionen Kinder bis zur Einbindung in bestehende Strukturen – ist bis Anfang 2026 kaum zu schaffen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Finanzministerium: Realistisch sei eher ein Start zum 1. Januar 2027.
Branche macht Druck: „Deutschland muss handeln!
Die Finanzbranche reagiert ungeduldig. Über 30 Broker, Banken und Vermögensverwalter haben Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) in einem gemeinsamen Positionspapier zum Handeln aufgefordert: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren – die Altersvorsorge in Deutschland braucht ein Update.“
Die Forderung: Wenn schon eine Verschiebung droht, soll wenigstens der Systemwechsel kommen. Statt alter Riester-Verträge wollen die Anbieter ein modernes, steuerbegünstigtes Altersvorsorgedepot – ohne starren Garantiezwang, mit freiwilligen Einzahlungen und flexiblen Auszahlplänen. Die Frühstart-Rente soll nahtlos in dieses Depot übergehen, wenn das Kind 18 wird.
Riesterrente: Die Uhr läuft ab
Die alte Riester-Förderung ist nach Ansicht vieler Experten am Ende. Millionen Verträge liegen brach oder wurden gekündigt. Die Branche sieht in der Frühstart-Rente jetzt die Chance, ein neues kapitalgedecktes Standardprodukt zu etablieren – ähnlich wie in Schweden oder Großbritannien.
Doch dafür braucht es klare Spielregeln. Noch ist offen, welche Fonds erlaubt sind, wer die Verwaltung übernimmt, wie hoch die Gebühren sein dürfen. Ohne Gesetz droht ein Flickenteppich aus Einzelangeboten – mit unnötig hohen Kosten für Sparer.
Viel Symbolik, wenig Substanz?
Kritiker zweifeln ohnehin am Effekt: Zehn Euro pro Monat sind wenig. Ohne freiwillige Aufstockung wächst daraus bestenfalls eine kleine Zusatzrente von 30–50 Euro. Erst wenn Kinder und später Erwachsene konsequent selbst weiter sparen, wird die Frühstart-Rente zu einem echten Pfeiler der Altersvorsorge.
Fazit: 2026 oder 2027 – die Uhr tickt
Ob die Frühstart-Rente tatsächlich wie versprochen 2026 kommt, ist unklarer denn je. Sicher ist nur: Für eine wirksame Reform braucht es mehr als einen symbolischen Zehner im Monat. Jetzt ist die Politik gefordert, endlich den Weg frei zu machen – und zwar nicht nur mit warmen Worten, sondern mit klaren Gesetzen, fairen Regeln und echten Anreizen zum Mitmachen.
Sonst bleibt die Frühstart-Rente: ein Versprechen auf dem Papier.