zuletzt aktualisiert 8. Januar 2026
Ab 2026 sollen Kinder monatlich zehn Euro vom Staat für ihre Altersvorsorge erhalten – so steht es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Doch hinter den Kulissen bahnt sich ein Streit über die konkrete Umsetzung der sogenannten Frühstart-Rente an.
Update: Die Bundesregierung hat im Kabinett die Eckpunkte beschlossen.
Banken und Broker in Startposition
Onlinebroker wie Scalable Capital, Trade Republic und Smartbroker haben bereits eigene Kinderdepots angekündigt, über die Eltern im Namen ihrer Kinder am Kapitalmarkt sparen können. Auch Sparkassen und Volksbanken bereiten sich auf den Start der neuen Förderung vor. Für sie wäre die Frühstart-Rente ein Schub, weil Millionen Kinder automatisch ein Depot bekommen sollten.
Das Grundprinzip laut Koalitionsvertrag: Jedes Kind ab sechs Jahren erhält bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro vom Staat – direkt eingezahlt in ein privatwirtschaftlich organisiertes Depot. Ziel ist es, frühzeitig Kapitaldeckung aufzubauen und junge Menschen an private Vorsorge und den Kapitalmarkt heranzuführen.

Staatsfonds statt Kinderdepots?
Doch nun zeichnet sich ein Kurswechsel ab. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitschrift Capital prüft das SPD-geführte Finanzministerium, ob das Geld nicht stattdessen in den staatlichen Kenfo-Fonds fließen soll. Kenfo ist ein seit 2017 bestehender Staatsfonds, der bislang die Finanzierung der Atommüll-Endlagerung sicherstellt.
Die Idee: Die Verwaltung durch einen Fonds sei unbürokratisch, alle Kinder würden automatisch erfasst, und die Auszahlung erfolge gesammelt mit 18 Jahren. SPD-Finanzpolitiker Michael Thews spricht von einer möglichen „Auffanglösung“.
Kritik von Opposition und Finanzbranche
Kritiker warnen:
- Der pädagogische Effekt gehe verloren, wenn Kinder kein eigenes Depot führen können.
- Eltern könnten keine zusätzlichen Beträge einzahlen, wodurch der langfristige Vermögensaufbau stark begrenzt wäre.
- Private Anbieter sprechen von einer „Kollektivierung“ und sehen die Chance für Finanzbildung verspielt.
Besonders scharf äußerte sich laut Capital Thomas Soltau, Chef von Smartbroker: Ohne individuelle Zuzahlungsmöglichkeit bleibe der Effekt minimal – und dass nur ein Jahrgang gefördert werden solle, sei „ein politisches Armutszeugnis“.
Auch die Union kritisiert den Vorstoß: Ein Staatsfonds widerspreche der Koalitionsvereinbarung und blockiere den Wettbewerb.
Streitpunkt Finanzierung
Hintergrund der Debatte sind auch die Finanzen. Für 2026 sind im Bundeshaushalt nur 100 Millionen Euro vorgesehen – genug für einen einzigen Jahrgang (die Kinder, die 2020 geboren wurden). Ob ältere Kinder später einbezogen werden, ist offen.
Zum Vergleich: Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass alle Kinder von sechs bis 18 Jahren einbezogen werden. Damit hätte sich die Zahl der Begünstigten sofort auf mehrere Millionen belaufen.
Wie geht es weiter?
Ein Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente wird frühestens im November erwartet. Bis dahin bleibt offen:
- Ob es beim Modell der privaten Kinderdepots bleibt,
- oder ob die Regierung auf eine staatlich verwaltete Fonds-Lösung umschwenkt,
- und wie viele Jahrgänge überhaupt profitieren.
Fest steht: Die Frühstart-Rente, die ursprünglich als Symbol für den Aufbruch in eine neue Aktienkultur gedacht war, droht zu einer politischen Zankapfel-Reform zu werden.